Von Geschichte(n)

Sonntag, der 29. März 2015

„Wenn einer eine Reise tut,…“
Bei meiner letzen Reise nach München, habe ich die Gelegenheit genutzt und endlich einmal das Spielzeugmuseum in München besucht.
Es liegt sehr zentral, direkt am Marienplatz, im Alten Rathausturm und der Eintritt kostet für Erwachsene derzeit 4€.
Einen Besuch ist dieses kleine aber feine Museum allemal wert. Hier erfährt man so einiges zur Geschichte des Spielzeugs im Allgemeinen und im Speziellen. Der kleine Turm mit seinen vier Ausstellungsräumen beherbergt nicht nur allerlei Puppen vergangener Jahrhunderte, sondern auch allerhand andere Exponate wie Aufzieh- und Blechspielzeug oder Teddybären sind hier zu bewundern. Sehr informativ sind auch die Ausstellungstäfelchen, die dem Besucher viel Wissenswertes zum Thema Spielzeug vermitteln…:

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„Die ursprünglichen Spielzeuge der Kinder sind Geschenke der Natur: bunte Steinchen, leuchtende Beeren, schön geformte Blätter, Blumen und Früchte, seltsam gebildete Zweige, Rinden und Wurzeln, alles, was der Phantasie Anlass gibt zu schöpferischen Deutungen und Veränderungen. So war es seit den Zeiten der Bauern und Hirten.
[…]nur Erwachsene, die eine lebendige Erinnerung an die eigene Kindheit bewahrt haben, können ahnen, welche Seligkeiten diese schlichten Dinge in eines Kindes Herzen zu wecken vermögen.“

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„Puppen gehören zum ältesten Kinderspielzeug.
Im alten Ägypten besassen die Mädchen ebenso Puppen wie in Griechenland und Rom. Hier wie dort versetzten sie sich in die Rolle der Mütter, sahen in den Puppen ihr Kind, den Vater, die Mutter, die Geschwister und vor allem sich selbst. Daran hat sich bis heute nichts geändert.“

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„Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wuchs in Deutschland die Puppenindustrie zu einem immer lukrativeren Unternehmenszweig aus. Es prosperierten Dutzende Firmen, aber nicht alle setzten sich qualitätsmäßig auf dem internationalen Markt durch. […]
Die bedeutende deutsche Firm J.D. Kestner fertigte seit 1820 Holzgliederpuppen mit Holz- und Pappmachéköpfchen[…] Kestner avancierte zur führenden Gestalt der Waltershausener Unternehmer und wurde Schöpfer origineller Ideen und klassischer Serien. Mit Kestners Zahlenschlüssel begann die offizielle Größenbestimmung bei Puppenköpfchen.“

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„Am Ende des 19. Jh. erreichte der Puppenverkauf Rekordhöhen, die ‚Püppchen‘ verkauften sich sozusagen von selbst, ohne dass man an ihnen etwas zu verändern brauchte oder sie dem Publikumsgeschmack anpassen musste. Bald jedoch standen die ersten Kritiker vor der Tür, mit der Forderung, den Ausdruck der ’schönen aber geistlosen‘ Gesichter zu verändern. Freilich finden wir die damaligen zarten Gesichter der Puppen noch heute hinreissen. Unsere avantgardistischen Großeltern hingegen empfanden sie nun mal als ausdruckslos und wünschten sich, wie die Kritiker dieser ‚leeren‘ Puppenschönheiten, mehr Charakter in den Gesichtern.“

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„Trotz aller Debatten wäre der Aufstand der Avantgarde an der Puppenbranche spurlos vorübergegangen, hätte nicht die Firma Kämmer & Reinhardt die Idee von der neuen realistischen Puppe aufgegriffen, modellierte ein neues Gesicht und führte damit die berühmt gewordenen ‚verträumten Kinder‘ ein, die wegen ihres charakteristischen versonnen und etwas traurigen Gesichtsausdrücke Namen wie ‚Mein Liebling‘, ‚Mein Dickerchen‘ oder ‚Mein rosiges Mädelchen‘ erhielten.“

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„Zu den ausdrucksvollen Charakterpuppen gehören die ‚Stoffkinder‘ der Künstlerin Käthe Kruse, hergestellt nach Kinderpporträts der Renaissance. Hilfe leistete ihr Ehemann, der Bildhauer Max Kruse, der auch nach echten Kinderbildern arbeitete.
Ihre ältesten Puppen wirken durch die hübschen charaktervollen Kindergesichter, geprägt von melancholischer Traurigkeit.“

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„Mit der Zeit wichen die Charakterköpfe wieder den ‚Idealköpfen‘, die allerdings in ihrer neuen Form lebendiger und kindlicher gestaltet waren als die Puppenschönheiten vor der Reform – heribei vor allem bei den Steh- und Sitzbabys.
Nichtsdestotrotz verlangte der Großteil der Kunden jedoch erneut Puppen mit ‚lieblichen Gesichtsausdrücken‘.“

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Wer sich also in München oder Umgebung befindet, sollte unbedingt auch einmal dem Spielzeug Museum dort einen Besuch abstatten und die schönen Exponate in natura bewundern…

 

Fotos ©kukalka.de entstanden im Spielzeug Museum München /
Textzitate des Artikels © Spielzeug Museum München.

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