Vom Antlitz – Doll Making Tipps #3: Puppengesicht

Donnerstag, der 27. August 2015

Im letzten Blogpost meiner „Doll Making Tipps“ habe ich ja schon einiges zum Thema Puppenkopf geschrieben. Heute folgt Teil #3 der Reihen und es soll es weiter um den Kopf gehen, genauer gesagt um das Gesicht…

Puppengesicht

Das Gesicht der Puppe

Neben der Kopfform beeinflussen natürlich auch das Gesicht und die Haare den Eindruck, den wir von einer Puppe gewinnen.
Grundsätzlich mag das menschliche Auge Symmetrie. Was symmetrisch und damit harmonisch wirkt, empfinden wir als schön. Das gilt ebenso für Menschengesichter wie natürlich auch für Puppen.
Die klassische Waldorfpuppe aber ist in Hinsicht Gesichtsausdruck sehr zurückgenommen, um der Fantasie des Kindes nicht vorwegzugreifen und offen für Interpretation und das eigene Spiel des Kindes zu bleiben.
Die Köpfe und Gesichter der Stoffpuppen vieler modernen Puppenmacherinnen hingegen sind heute eher expressiv gestaltet. Es gibt die verschiedensten Augenformen, gestickt oder gemalt. Auch die Haare werden selten mit Wolle klassisch aufgestickt, denn es gibt nunmehr keine Grenzen was Verarbeitung und Farbe angeht.
Zu erwähnen seien an dieser Stelle kurz auch noch Puppen ganz ohne Gesicht(sausdruck) ⇒ mehr dazu hier, hier oder hier.

Puppenkopf

Die meisten Puppen werden aber doch zumindest mit Augen ausgestattet, somit wollen wir hier nun kurz die einzelnen Merkmale genauer betrachten:

Augen

Puppenkopf Gesicht Augen

Augen sind der Spiegel der Seele, so sagt man. Bei Puppen sind sie gleichsam also der Spiegel der Puppenseele.
Die Augen werden meist auf das Gesicht der Puppe aufgestickt oder aufgemalt. Einige Puppen haben aber auch Glas oder Perlen als Augen.
Um die richtige Position für die Augen im Puppengesicht einfacher zu finden, kann man zu Beginn mit Stecknadeln ausprobieren, wo genau Augen und auch Mund sein sollen. Aus Augen und Mund sollte sich zudem ein gleichseitiges Dreieck ergeben. Hilfreich kann es auch sein, hier die Abstände nochmal mit einem Maßband genauer abzumessen.
Zur groben Orientierung für die Platzierung der Augen dient die vorher abgebundene Augenlinie. Je nachdem, welchen Ausdruck die Puppe später haben soll, sollten die Augen nämlich möglichst genau auf ihr liegen bzw. knapp darunter oder darüber.
Ein kleiner Trick, den auch ich an dieser Stelle auch gerne anwende, ist die Puppe nicht direkt, sondern durch einen Spiegel zu betrachten. So sieht man nämlich schneller etwaige Asymmetrien und kann die Stecknadeln versetzten bis alles stimmig wirkt und so die Augenposition nochmals korrigieren.
Auch der richtige Abstand der Augen selbst zu einander ist von Bedeutung. Setzt man die Augen zu weit auseinander, so wirkt die Puppe später eher wie ein Tier/Fisch. Stehen die Augen aber zu nah beieinander wirkt die Puppe leider eher ein wenig „unterbelichtet“. Auch sollten die Augen nicht zu tief also nah bei der Nase sitzen.

Puppenkopf

Mund

Die ganz klassische Waldorfpuppe hat eigentlich keinen Mund, bzw. wenn, dann nur einen ganz dezent mit einem kurzen geraden Strich angedeuteten.
Der Mund kann, ebenso wie die Augen, entweder mit spezieller Stofffarbe aufgemalt oder mit Stickgarn aufgestickt werden. Der Mund bildet zusammen mit den Augen ein gleichseitiges Dreieck.
Auch hier ist alles möglich. Es gibt Stoffpuppen, die breit grinsen, welche die nur leicht zu lächeln scheinen, andere ganz ohne Mund …und die modellierten Filzköpfe besitzen wieder jede eine individuelle Mundform.

Puppengesicht

Nase

Eigentlich ist eine Nase nicht unbedingt notwendig. Gerade bei traditionellen Waldorfpuppen wird diese bewußt weggelassen. Generell neigt die Nase, wie jede Erhebung unter dem Stoff, dazu angreifbar für Verschmutzungen und Abrieb zu sein.
Es gibt verschiedene Methoden eine Nase zu formen: Entweder filzt man ein zu einer kleinen Kugel gerolltes Stück Stopfwolle fest,   näht sie nach einem bestimmten Muster ein oder näht ein mit Wolle gefülltes Wollsäckchen fest.
Sehr kleine Puppen benötigen zudem eigentlich überhaupt keine Nase. Bei größeren Puppen kann man aber je nach Geschmack durchaus eine deutliche Nase arbeiten, da sie je nach Platzierung und Größe eine ganz eigenen und unverkennbaren Gesichtsausdruck bedeuten kann.

Puppenkopf

Haare

Hier ist der eigenen Fantasie was Farbe, Material und Gestaltung betrifft mittlerweile keine Grenze gesetzt.
Man kann ganz klassisch Wollstrang für Wollstrang aufsticken. Oder es sich etwas einfacher machen und Fellimitat verwenden. Eine Perücke aus Mohair häkeln und dann die Haarsträhnen einzeln einknüpfen, oder mit Schafswolllocken, mit sogenannten „Wefts“ arbeiten, usw.

Puppenkopf
Man kann für Babypuppen aber auch die Haare ganz weglassen. Das ist wirklich den eigenen Vorlieben überlassen und mittlerweile ist zum Glück auch so einiges möglich, auch was regenbogenbunte Haarfarben angeht.

Puppe Glatze bald Baby

Wangen

Ganz typisch für die (Waldorf) Stoffpuppen, sind ihre schön rot leuchtenden Pausbäckchen.
Das Wangenrot wird typischerweise mit einem Wachsfarbstift aufgetragen (Hier mehr dazu).
Allerdings muss man diese Farbe regelmäßig erneuern, da sie sich schnell wider abreibt.
Die Wachsblockfarbe für das Wangenrot wird mittlerweile oft substituiert durch Rouge, Buntstift oder Aquarellfarbe. Je nachdem also wie stark oder leicht die Wangen gerötet sein sollen und ob diese Röte dauerhaft halten soll, kann man unterschiedliche Methoden und Materialien verwenden.
Auch Sommersprossen, die man z.B. mit einem angefeuchteten und gespitzten Buntstift auftupfen kann, sind ein immer häufiger auftretendes Stilmittel der Gesischtsgestaltung.

Puppengesicht

 

Welche Gesichter bevorzugt ihr? Eher klassisch oder doch ruhig mehr expressiv?
Mit oder ohne Nase? Bunte Haare oder traditionell aufgestickte Wolle?…
Wie auch immer man sich entscheidet, das Puppengesicht zu gestalten – ob man nun Symmetrien befolgt oder bunte Haare verwendet – die Möglichkeiten sind zum Glück ja vielfältig …wie auch die Geschmäcker selbst.

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