Von Puppenhaar

Montag, der 5. Oktober 2015

Ich liebe Herausforderungen.
Leider bin ich außerdem oft auch sehr umtriebig. Die Neugier und Suche nach Aufgaben treibt mich voran. Immer möchte ich etwas Neues ausprobieren. Daran herumtüfteln und dann wenn ich es kann, aufbrechen zu neuen Ufern und wieder Neues finden und versuchen zu meistern…
Da ich für die Puppenmitmacherei wie hier berichtet zum ersten Mal eine so große Puppe von 65 cm machen wollte, musste es für die Haare natürlich auch etwas besonderes sein.
Schon vor einiger Zeit habe ich ja bereits selbst Mohair Wolle gefärbt. Zunächst hatte ich also überlegt, davon eine Perücke zu häkeln. Aber dies schien mir auch in Anbetracht der Kopfgröße nicht so ganz passend. Es sollte auch da etwas anderes werden.

Puppenhaare

Puppenhaare aus Schafslocken

Schon lange wollte ich nämlich mal Schafslocken als Haar für meine Puppen verwenden. Zum Glück gibt es unweit von hier einen alten Familienbetrieb mit allem was das Schaf so hergibt. Und auch Schaflocken in allen Variationen und Farben sind dort vorrätig. Ich hatte schon ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, als ich den Laden betrat…
Jedoch, ich liebe ja Herausforderungen. Da war es klar, dass der kleine Korb mit so wunderbar nach Schaf riechender Rohwolle mich magisch anzog. Die kompetente Verkäuferin versicherte mir noch, es sei gar nicht sooo schwierig die Wolle selbst zu säubern und sie habe das selbst auch schon gemacht.
Umtriebig und neugierig wie ich bin, mag ich es mir auch nicht einfach machen und sagte dann spontan und leicht hin: „Ach, na klar-  ich nehm dann mal die Rohwolle“. Denn wie schwierig kann das schon sein, die Wolle selbst zu waschen und zu säubern?!… Oh, little did I know – Aber ich liebe ja Herausforderungen.

Rohwolle waschen

Mit dem Sack, voll mit wunderbar nach Schaf duftenden, Rohwolle daheim angekommen habe ich diese zunächst erst einmal besehen und dann erst realisiert, dass dies doch ein etwas weittragenderes Unterfangen werden würde. Also habe ich mich daraufhin in die Recherche gestürzt und bin zum Glück auf einige Artikel (hier oder hier) und Videos (das oder auch das) gestossen, die ganz gut erklären, wie Rohwolle nun genau gewaschen und behandelt werden sollte….
All dies Wissen im Hinterkopf, habe ich dann also zunächst die Wolle auf einem großen Tuch ausgebreitet und so weit möglich alles an Stroh und Dreck aus den Locken gepflückt.
Allein das dauert schon einmal ein Weilchen.

Puppenhaare
Dann habe ich einen großen Behälter mit lauwarmem Wasser und etwas Wollwaschmittel gefüllt, um so erst einmal den groben Dreck los zu werden.

Puppen Haare

Eine ganz schöne Brühe war das. Es bedarf tatsächlich so einiger „Waschgänge“, in denen das Wasser immer wieder komplett gewechselt werden muss, bis man die weissen Locken allmählich wieder erahnen kann.
Wichtig ist hier auch mit warmem Wasser zu arbeiten, da man sonst das Wollfett nicht herausbekommt. Man kann die Wolllocken ganz vorsichtig und leicht im Wasser bewegen, um sie besser zu säubern. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn man will ja nicht, dass die Wolle durch zu viel Bewegung und Reibung zu verfilzen beginnt.

Puppenhaare

Dies alles dauert dann auch schon mal wieder ein Weilchen.
Sobald das Wasser dann aber beim Abgießen klar ist, kann man daran gehen die Locken ein letztes mal unter fließendem Wasser auszuspülen. Wieder gaaaanz vorsichtig, um die Wolle nicht doch noch zu verfilzen.

Puppenhaare

Anschließend sollte die Wolle vorsichtig ausgewrungen werden. Ich habe die feuchte Wolle dann einfach gleich in der Badewanne auf dem Wäscheständer, auf dem ich vorher ein großen Badehandtuch ausgelegt hatte (es tropft ja evtl. noch Wasser aus der sehr saugfähigen Wolle heraus), über Nacht trocknen lassen. Sollte die Wolle am nächsten Tag immer noch nicht ganz durchgetrocknet sein, so sollte man das Tuch darunter wechseln und die Wolle wenden und nochmals mindestens 12 Stunden warten.
Dies alles dauert also wieder ein Weilchen.

Ist die Wolle dann schließlich trocken, kann man sie von den letzten eventuell noch verbliebenen Dreck- und Strohfusselchen befreien. Gute Dienste tut hier eine Tierhaarbürste, mit der man wieder gaaanz vorsichtig nur die Stelle mit den Dreckfusseln bearbeitet und so letzte Reste einfach rauskämmt.

Puppenhaare

Generell sollten die Wolllocken aber nicht gekämmt werden, da sich sonst ihre Struktur ganz verliert. So blieb mir zum Schluß auch nur noch den Rest mit der Hand vorsichtig aus der Wolle zu zupfen. Zum Glück war dank Vorarbeit und den diversen Waschgängen aber auch nicht mehr viel zu reinigen.
Trotz allem dauert auch dies wieder ein Weilchen.

Puppenhaare aus Schafswolllocken

Puppenhaare

So ist die Wolle irgendwann dann endlich wunderbar duftig, sauber und weiss.
Also bereit zur Weiterverarbeitung:
Wie bereits eingangs erwähnt, sollte aus den Locken ja die Haarpracht für meine Puppenmitmacherei Puppe entstehen.

Puppenhaare
Also habe ich aus den Schafslocken zunächst einzelne Strähnen abgeteilt und bereit gelegt.
Aus der farblich passenden naturweissen Mohairwolle habe ich dann wie gewohnt begonnen eine Perücke zu häkeln. Die einzelne vorbereiteten Wollocken werden dann alle paar Maschen einfach mit in die Perücke eingehäkelt.

Tja und wer nun wissen will, wie die Haare dann fertig auf dem Puppenkopf aussehen, der darf auf meinen nächsten Eintrag zur Puppenmitmacherei gespannt sein: ⇒ Hier.

Puppenhaare

 

PS:
Und wer jetzt immer noch nicht genug von Puppenhaar hat, der sollte zu Fabiola von Fig & Me rüberklicken, denn sie hat hier gerade einen wunderbar umfassenden Blogpost zu dem Thema verfasst….

PPS: Verlinkt beim creadienstag.

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